Über 400 Jahre Kaufmannschaft in Verden

Seit 1949 besteht der Kaufmännische Verein zu Verden e.V. in seiner modernen Form. Er ist Nachfolger des Kaufmännischen Vereins von 1892. Die Wurzeln unserer Gemeinschaft sind aber noch weit tiefer in der Geschichte verankert.

Vor über 400 Jahren, nämlich 1605, wurde von Bürgermeister und Rat der Stadt Verden das Privileg des Krameramtes erteilt. Es umfasste allgemein alle Kaufleute von freiem Stande, die sich nicht mit dem Tuchhandel beschäftigten. Das Privileg regelte vor allem die Konkurrenzsituation und das Verhalten im Sinne eines ehrbaren Handels.

Damals war Verden eine freie Reichsstadt. Wer in und außerhalb der Stadt, soweit der Juristdiktionsbezirk reichte, ständigen Handel treiben wollte, musste ein Kramer werden. Nur Handwerker durften daneben ihre selbstgemachten Waren anbieten.

Kramer konnte nur werden, wer zuvor das Bürgerrecht erlangt hatte, ehrlichen Herkommens war ("Echt und Recht gebohren auch frey und Niemants eigen", 1) und mindestens vier Jahre bei einem Kramer "Gedient" hatte. Angehörige durften übrigens nach Todesfall das Geschäft weiterführen gegen Zahlung je eines Talers an den Rat und das Krameramt. So blieben über viele Jahrzehnte, teils sogar Jahrhunderte, Verdener Geschäfte in der Hand einer Familie, meist auch mitsamt der Gebäude, in denen sie ansässig waren. Ein Glück für das heutige Ambiente in der Verdener Einkaufsmeile: Die historischen Gebäude machen einen Großteil der besonderen Atmosphäre aus.

Der älteste aktive Betrieb ist die Buchhandlung Mahnke

Als ältester Familienbetrieb hält der Buchhandel und Theaterverlag Karl Mahnke, Inhaber Dierk Mahnke, heute noch diese Tradition aufrecht. Das Geschäft wurde 1841 als Buchbinderwerkstatt von Dieter Mahnke in der Ostertorstraße gegründet und ist seit 1928 in der Großen Straße 128 ansässig. Mit Inhaber Dierk Mahnke und seiner Tochter Maria sind jetzt bereits die fünfte und sechste Generation der Mahnkes im Geschäft. (2)


Viele weitere Namen mit Tradition sind auch heute noch an den Geschäftshäusern zu lesen - z.B. Erasmie, Arnold Schulz, Vollstedt, Witte. Die heutigen Inhaber, teils Familienmitglieder, teils ehemalige Mitarbeiter, die das Geschäft übernommen haben, zeigen erfolgreich, dass Tradition und Fortschritt Hand in Hand gehen können.


Tradition und Fortschritt
gehen Hand in Hand

Heute gehören rund 150 Kaufleute, Dienstleister und Freiberufler zu unserem Verein. Sie bilden ein starkes Netzwerk und finanzieren mit ihren Mitglieds- und Werbekostenbeiträgen die vielfältigen Aktionen zur Belebung und Attraktivitätssteigerung unserer Innenstadt. So können wir im Wettbewerb mit den Einkaufszentren der Umgebung erfolgreich bestehen.


Quellen:
1- Karl Nerger, Das Verdener Lesebuch, Geschichte der Stadt Verden in Einzeldarstellungen, Band 6, Hg.: Stadt Verden, Druckerei: Ernst Helbig, 1983
2- Eine kleine Geschichte der Firma Karl Mahnke, nach alten Unterlagen aufgeschrieben von Dieter Jorschik,